Wie sah nun so ein Arbeitstag von Jan Maat an Bord eines Segelschiffes aus?
Morgens um 6:00 Uhr war Wecken, geweckt wurde nach alter Sitte „in Gottes Namen“. Anschließend wurde zwei Stunden auf nüchtern Magen
gearbeitet, danach 1/2 Stunde Frühstück, von 12:00-13:00 Uhr war Mittag. Der Arbeitstag wurde um 18.00 Uhr mit dem Ruf „Daddeldu“ beendet. – Dieser Ausdruck ist aus dem englischen
Sprachgebiet zu uns gekommen und heißt dort ”That will do“. Dieser Arbeitsrhythmus galt für den Tagesdienst, heute sagt man auch Tagestörn.
Die Leute, die Wache gehen mussten, hatten einen anderen Törn. So eine Wache wurde in Steuerbord- und Backbordwache eingeteilt und dauerte vier
Stunden. Die Uhrzeit wurde durch eine halbstündige Sanduhr kontrolliert und durch das Glasen mit der Schiffsglocke angezeigt. Bis in das 16. Jahrhundert hinein wurde die Besatzung noch in 4 Wachen
eingeteilt. Sie wurden deshalb auch „Quartier“ genannt, das Viertel eines Ganzen.
Das Glasen lief folgendermaßen ab: Mittags, wenn die Sonne
am höchsten stand, wurde die Sanduhr „gestellt“, und bis zur nächsten Mittagszeit richteten sich alle an Bord nach dieser Uhr. Nach einer halben Stunde, die Uhr wird das erste Mal
umgedreht, wird einmal geglast, nach einer Stunde erfolgt ein Doppelschlag, zwei Glasen, dann ein Doppel- und ein einfacher Schlag, drei Glasen. Das ging so bis zum
Wachwechsel, da wurde achtmal geglast. Danach begann mit der neuen Wache alles von vorn.
Es kam vor, dass ein Wachgänger versuchte die Uhr eher zu drehen, Wenn das die restliche Mannschaft mit bekam, hatte
der Matrose an Bord nichts mehr zu lachen.
In unmittelbaren Zusammenhang mit der Arbeit stand das Singen an Bord. Bestimmte gemeinschaftliche
Tätigkeiten wurden leichter, wenn sie im einheitlichen Rhythmus ausgeführt wurden. Für solche Arbeiten wie
Segelsetzen, Ankerhieven und Spilldrehen war das unerlässlich. Die Shanties werden in drei große Gruppen eingeteilt:
1. Spillshanties Sie wurden hauptsächlich beim Ankerhieven, wenn mit Hilfe von Spillspaken das Ankerspill bewegt wurde,
gesungen. Der bekannte Titel „Around Cape Horn“ gehört dazu.
2. Halyards In der Zeit als die schnellen nordamerikanischen Klipper aufkamen (14-17 Knoten) entstanden auch die
Halyards. Sie wurden bei Segelmanövern angestimmt
3.Short-Haul-Shanties Sie kamen zur Anwendung, wenn ein Ende mit kurzen kräftigen Zögen steifgesetzt werden musste.
Ein typischer Shantie aus Wismar ist folgender:
De Rostocker Dierns, Mit de Kugelrunn Titten, Dor güng Johann Maat, Mit’n Noors up Sitten, …
Bevor die Reise losging musste Jan Maat natürlich erst einmal anmustern. Das geschah etwa folgender Maßen:
An Land gab es meist Vermittler die gegen eine entsprechende Gebühr dem jeweiligen Matrosen ein Schiff nachwiesen. Diese Vermittler wurden Heuerbaas genannt. In Zeiten großer Arbeitslosigkeit musste ein Matrose bis zu drei Monatsheuern dem Heuerbaas opfern,
um ein Schiff zu erhalten. War Jan Maat dann an Bord, wurde er vom Kapitän „gemustert“ und anschließend in die Musterrolle eingetragen. Die Musterrolle gibt es etwa seit
dem 17. Jahrhundert, und in etwas abgewandelter Form existiert sie noch heute. In der Musterrolle, zur damaligen Zeit auch Heuer-Contract genannt, wurden die Rechte und
Pflichten eines Seemannes genau festgehalten. Dazu gehörten das Verhalten auf dem Schiff und in Ausland, Vorhalten bei Gefahr wie Schiffsbruch oder Untergang, sowie Festlegungen
über Unterkunft, Verpflegung und Art und Weise der Heuerzahlung. Zum Beispiel betrug die durchschnittliche Heuer Ende des 19. Jahrhunderts in Deutschland etwa 40-50
Mark monatlich, während auf englischen Schiffen das Doppelte gezahlt wurde. Ein großer Teil der Heuer wurde oft schon vor Reisebeginn gewährt; da der
Seemann sich Ausrüstung kaufen musste und Familie zurück ließ, die auf die Heuer angewiesen war. Das Geld
bekam die Frau oder Mutter über einen sogenannten Korrespondenten, der von Kapitän bevollmächtigt war,
es ratenweise auszuzahlen. Wenn nun der Matrose unterwegs abstieg, oder das Schiff schon längere Zeit
überfällig war, so dass die Befürchtung bestand es wäre untergegangen, wurden durch den jeweiligen Reeder die Auszahlungen gesperrt. Das führte oft dazu, dass die betroffenen Familien in Elend gerieten.
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